#metwo: „Es kriecht unter die Haut“

01.09.2018

Unter dem Hashtag #MeTwo schildern tausende, wie ihnen Rassismus widerfahren ist. Immer wieder finden sich dabei Schilderungen aus einem Bereich: Der Arbeitswelt.

Der Bayrische Rundfunk-Journalist Malcolm Ohanwe etwa schildert die Reaktion auf seine Klage, dass in den Medien fast nur Menschen deutscher Herkunft arbeiten. Ein Kollege antwortete: „Ja, hast Recht. Wir sind alles Weißbrote hier. Vielleicht sollten wir die Standards senken, dass es mehr Leute wie du auch hier reinschaffen ...”. Ein anderer Kollege habe ihn gar gefragt: „Sag mal, und ich mein das echt nicht böse oder so, aber warum stinken denn die dunklen Schwarzen immer so?!“

Tausende solcher Berichte über die ganz alltägliche Diskriminierung sammeln sich seit Ende Juli bei Twitter. Der Autor Ali Can hatte Aktion „MeTwo“ gegen Alltagsrassismus ins Leben gerufen. Anlass war die Debatte, die der Fußballer Mesut Özil mit seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft ausgelöst hat. „MeTwo“ steht dafür, dass Menschen mit Migrationshintergrund zwei Identitäten haben können. „Was dort zu lesen ist, deckt sich definitiv mit unserem Beratungsalltag”, sagt Olaf Bernau von der gewerkschaftlichen Beratungsstelle ADA – Antidiskriminierung in der Arbeitswelt in Bremen. Ebenso wie bei #metwo würden bei Weitem nicht nur Menschen Rassismus erfahren, die jüngst in Deutschland angekommen seien, sondern auch viele aus der zweiten und dritten Einwanderergeneration.

Bernau unterscheidet dabei zwei Formen: Die „struktruellen Diskriminierungen”, also der Zugang zu Arbeit, der Aufstieg im Job, aber auch die Verteilung der Arbeit im Betrieb. „Da haben sich ganz klassische Dinge erhalten, zum Beispiel wer wie viel heben muss oder wer am Band an welcher Stelle steht.” Hinzukomme das Phänomen verbaler Diskriminierung. „Und da gibt es ganz klar eine Tendenz zur Enthemmung wie in der ganzen Gesellschaft”, sagt Bernau. Doch auch so genannte Mikroaggressionen seien weit verbreitet. Eine Ratsuchende etwa habe berichtet, wie sie dauernd auf Fehler in ihrer Aussprache hingewiesen worden sei. „Das kriecht den Betroffenen langsam unter die Haut.” Entsprechend wichtig sei es, auf Möglichkeiten der Gegenwehr hinzuweisen, etwa durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, so Bernau.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration September 2018" entnommen.