Forscher_innen: Aufnahmesystem ist zu kompliziert

01.08.2018

Viele Ankommende verirren sich zwischen Gesetzen und Behörden, auch auf dem Weg zum Arbeitsmarkt. Unterschiedliche Bundesland-Praktiken verschärfen das Problem. Das hat der Sachverständigenrat Deutscher Stiftungen (SVR) in einer neuen Studie untersucht und fordert „zentrale Aufnahmestellen“.

Flüchtlinge müssen die Regelungen, Abläufe und Institutionen des Asyl- und Aufnahmesystems möglichst gut kennen, schreiben die Forscher_innen. Nur dann können sie selbstbestimmt handeln. Das entlaste wiederum das Unterstützungssystem von Staat und Zivilgesellschaft. Doch eben diese Kompetenz gebe es oft nicht: „Flüchtlinge verfügen häufig nur über geringe Systemkenntnis”, so die Studie, die der SVR gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung erstellte. Insgesamt wurden dafür 62 Asylsuchende befragt. Die Forscher_innen machen für die Orientierungslosigkeit das „System an sich” verantwortlich: Die Regelungen und Akteursstrukturen seien „sehr komplex”. Es sei nicht hilfreich, die Zahl von Akteur_innen, die Informationen an Flüchtlinge vermitteln, weiter zu erhöhen. „Die Flüchtlinge müssen die Beratungsangebote auch kennen und ihnen vertrauen.” Am wichtigsten sei dabei das persönliche Gespräch. Schriftliche Informationen könnten die persönliche Beratung lediglich ergänzen. Doch gerade zu Anfang werde das Gespräch durch die Sprachbarriere erschwert. Die beratende Person müsse nicht nur das nötige fachliche Wissen haben, sondern auch „kommunikative und interkulturelle Fähigkeiten”. Hier fehle es „mancherorts noch an entsprechenden Schulungsangeboten”, so die Studie. Für gute Beratung stehe nicht immer ausreichend Zeit zur Verfügung. Wo immer möglich, sollten zentrale Anlaufstellen entstehen, um Flüchtlingen den Zugang zu erleichtern.

Länder und Kommunen hätten bei der Auslegung der bundesgesetzlichen Regelungen gewisse Spielräume. Diese sollten sie im Sinne der Flüchtlinge nutzen, um die Bestimmungen für Flüchtlinge nachvollziehbarer zu machen. Sprachbarrieren müssten gesenkt werden. Dazu sollten alle Flüchtlinge frühzeitig einen Sprachkurs besuchen können, unabhängig davon, woher sie kommen und wie ihr Aufenthaltsstatus ist. Damit wenden sich die Autor_innen gegen das Bundesinnenministerium, das die Praxis, Asylsuchenden mit „schlechter Bleibeperspektive” von Kursen auszuschließen, verschärfen will.

SVR Policy Brief Juni 2018: https://bit.ly/2JNPRRX

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration August 2018" entnommen.