Kämpfer für Anerkennungskultur: Dr.Hussein Jinah

18.09.2018

Dr. Hussein Jinah arbeitet als freigestelltes Mitglied im Personalrat der Stadtverwaltung Dresden und ist auf vielen Ebenen - u.a. im ver.di-Landesbezirksausschusses für Migration,in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - ehrenamtlich tätig. In seiner Person vereinigen sich Erfahrungen als Migrant und Gewerkschafter mit dem starken Willen, aus allem das Beste zu machen und nach vorne zu schauen.  

Aus Indien eingewandert, machte er Ende der 80er Jahre an der TU Dresden sein Diplom als Elektroingenieur und promovierte anschließend. Trotzdem fand er auch nach mehr als 100 Bewerbungen keinen Arbeitsplatz. „Mal gab es Antworten, dass ich keine deutsche Staatsangehörigkeit besitze, andere Male wurde mir wegen Umstrukturierung der Betriebe und Überqualifizierung abgesagt“ erzählt er. Enttäuscht und deprimiert suchte er nach Lösungen und als Mann der Tat nutzte er seine Talente im Umgang mit anderen Menschen, wurde Sozialpädagoge und arbeitete als Streetworker mit jungen Menschen aus mehr als 70 Ländern. „Es war meistens die Orientierungslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Geborgenheit, die fehlte. Viele hatten biografische Brüche in der Herkunftsfamilie durch Gewalterlebnisse, Missbrauch oder Suchtverhalten der Eltern“. Durch seine freundliche und sanfte Art bot er den Jugendlichen Orientierung und Hilfe zur Selbsthilfe.

 Jinah Hussein
Foto: Jörg Strehlau  

Seit rund zwei Jahren ist er im Sozialamt Dresden als Sozialarbeiter für Teilhabe und Integration zuständig und ein ordentliches Mitglied im Personalrat der Stadtverwaltung.

Aus seiner Sicht haben es die meisten Migrant_innen auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht, sprechen nicht gut genug deutsch und vielen fehlen gleichwertige Qualifikationen, die von der Arbeitsstelle verlangt werden. Einige mittelständische Unternehmer konnte er durch persönlichen Einsatz überzeugen geeignete Menschen mit fremdem Pass einzustellen. Meist klappte es über ein Praktikum. Gerade im Osten Deutschlands gebe es Vorbehalte, Menschen mit Migrationshintergrund, insbesonders Flüchtlinge, einzustellen, so Jinah. Mit guten Kontakten zur Bürokratie, besonders dem IQ-Netzwerk, versucht er zu helfen, wo es geht. Große Probleme mit der Anerkennung haben seiner Meinung nach Migrant_innen, die gar keine Urkunden bzw. Nachweise eines Berufs haben.

Die größten Baustellen in Bezug auf eine Anerkennungskultur bestehen Jinahs Meinung nach in einer fehlenden Vernetzung staatlicher und privater Institutionen (wie IQ und IBAS), zu wenig Transparenz, unterschiedlichen Informationsständen, einer teilweisen Überbürokratisierung und der Diskriminierung einiger Nationalitäten. „Gesellschaftliche Akteure sollten sich zur Vereinheitlichung eines Anerkennungsverfahrens besser vernetzen, um einheitlichere Strukturen und Transparenz zu gewährleisten.“

Für Jinah muss Integration von beiden Seiten gelebt werden. Menschen mit Migrationshintergurnd, die sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen wollen, sollten sich an kulturelle Gepflogenheiten halten, die Sprache lernen, Arbeit finden und sich in die Gesellschaft einfügen. „Aber auch die Aufnahmegesellschaft sollte bereit sein, die anderen zu integrieren, zu akzeptieren und anzuerkennen. Solange die fremden Menschen nicht auf Augenhöhe betrachtet werden ist für mich Integration eine Einbahnstraße.“  

In seinem Arbeitsalltag und persönlichem ehrenamtlichen Engagement setzt sich Hussein Jinah jeden Tag für eine wachsende Anerkennungskultur in unserer Gesellschaft ein. Dabei hat er sich eine indische Lebensweisheit zu eigen gemacht:

 "Wenn du im Fluss bist, vermeide Feindschaft mit den Krokodilen. Oder halte doch Abstand.“ Für ihn bedeutet das, dass er zum Beispiel im Umgang mit Behörden, Ämtern und Institutionen nicht auf Konfrontation geht, sondern versucht, Lösungen zu finden. Beispielsweise, wenn ein Anerkennungsgesuch von der Behörde unnötig verzögert wird. „Hier sollte man Ruhe und Geduld bewahren und versuchen durch vernünftige Kommunikation eine Lösung herbeizuführen, anstelle sich zu ärgern, oder sich gegenseitig zu beschimpfen, was zu nichts führt.“    

Wer mehr vom Kollegen Jinah hören möchte, kann das bei der Tagung "Anerkennung von Kompetenzen – eine gesellschaftliche Aufgabe" am 25.10.2018 in Dortmund machen.