Polen: Nationalistische Regierung wirbt Filipinos an

01.09.2018

Um fast 3,6 Prozent ist die polnische Wirtschaft in den letzten zehn Jahren im Schnitt gewachsen. In der gleichen Zeit sind über zwei Millionen Pol_innen ausgewandert, meist nach Westeuropa.

Auch die niedrigen Löhne in ihrer Heimat haben sie fortgetrieben. Die regierende nationalistische Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS), die in der Flüchtlingspolitik konsequent die Schotten dichtmacht, will nun wegen des zunehmenden Fachkräftemangels Arbeiter_innen von den Philippinen anwerben.

Die Verhandlungen mit der philippinischen Regierung seien „auf einem guten Weg“ und könnten im Herbst zur Unterzeichnung eines Anwerbeabkommens führen, sagte der stellvertretende Arbeitsminister Stanislaw Szwed der Nachrichtenagentur PAP. Er verwies auf die „kulturelle Nähe“ beider Länder – „insbesondere durch die katholische Konfession“. Polen wolle sich auf den Philippinen vor allem um qualifizierte Fachkräfte bemühen. Bislang hatte sich Polen in Sachen Fachkräftezuwanderung vor allem auf die benachbarte Ukraine verlassen: Rund eine Million Ukrainer_innen sind bereits im Land, bis zu 300.000 werden in den nächsten Jahren erwartet. Laut Eurostat hat Polen 2016 insgesamt 586.000 erste Aufenthaltsgenehmigungen an Bürger_innen von Nicht-EU-Staaten erteilt. Das waren mehr als jeder andere EU-Mitgliedstaat außer Großbritannien. Die meisten Visa gingen an Ukrainer_innen.

Doch das könnte nicht reichen: Im Jahr 2030 ist nach verschiedenen Studien jeder fünfte Arbeitsplatz in Polen unbesetzt, falls das Land dafür keine Migranten anwirbt. Das wären rund vier Millionen Arbeitsplätze. Polnischen Medien zufolge strebt das Arbeitsministerium deshalb weitere Anwerbeabkommen an – eines mit Vietnam, das trotz seiner katholischen Minderheit nicht christlich geprägt ist ebenso wie mit Nepal, in dem vier von fünf Einwohnern dem Hinduismus angehören.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration September 2018" entnommen.