Vorstand der Arbeitsagentur: Auch Geduldete fördern

01.02.2018

Geduldete Flüchtlinge sollten nach Vorstellungen des Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, ebenso wie anerkannte Flüchtlinge an Integrations- und berufsbezogenen Sprachkursen teilnehmen können. Für 2018 sieht er Fortschritte bei der Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt.

Scheele sprach sich gegenüber der DPA dafür aus, Geduldeten ein Jahr nach ihrer Einreise uneingeschränkt Zugang zu Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu gewähren. Gleiches solle für die von der Bundesagentur angebotenen Sprachkurse gelten, in denen berufliche Fachbegriffe vermittelt werden.

Geduldeten Flüchtlingen, deren Abschiebung unter anderem aus gesundheitlichen Gründen unmöglich ist, sind diese Kurse bisher weit gehend verschlossen. Scheele wies auf die vergleichsweise geringe Zahl von Abschiebungen im Verhältnis zur Gesamtzahl der Geduldeten hin. „Auch wenn man auf die Balkankrise vor 20 Jahren schaut, wissen wir, dass die Menschen länger in Deutschland bleiben. Und dann sollte man ihnen auch den Spracherwerb ermöglichen. Denn sie haben ja in der Regel Zugang zum Arbeitsmarkt – der kann aber nur mit Deutschkenntnissen realisiert werden“, sagte Scheele.

Ende Juni hätten knapp 16.600 geduldete Asylbewerber mehr als zehn Jahre in Deutschland gelebt. Junge Flüchtlinge, die nur einen Duldungsstatus besäßen, bräuchten zudem mehr Rechtssicherheit, wenn sie bereits einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, forderte Scheele. Eine „Ausbildungsduldung“ sollte ihnen bis zu neun Monate vor dem eigentlichen Ausbildungsbeginn garantieren, dass sie nicht abgeschoben würden. Damit würde der langen Vorlaufzeit zwischen der Unterzeichnung eines Ausbildungsvertrags und dem Beginn der Lehre besser Rechnung getragen. Das sollte auch für zweijährige, staatlich geregelte Helferausbildungen und so genannte Einstiegsqualifizierungen gelten, forderte der BA-Chef.

Scheele glaubt, dass 2018 vergleichbar viele Asylsuchende eine Arbeit finden wie 2017. Im vergangenen Jahr waren 195.000 Menschen aus den acht Haupt- Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt – rund 75.000 mehr als im Jahr davor. „Es ist schon möglich, dass das noch einmal gelingt“, sagte Scheele. „Denn die Wirtschaft entwickelt sich gut.“ Dadurch gebe es viele zusätzliche Stellen auch in einfacheren Helferberufen, die vorrangig für Flüchtlinge mit fehlender Berufsausbildung und unzureichenden Sprachkenntnissen infrage kommen.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Februar 2018" entnommen.