Komplizierte Praxis: Anerkennung ausländischer Qualifikationen

01.01.2018

Im kleinsten Bundesland Bremen ist jeder Zehnte der rund 323.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ausländer_in. Eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (iaw) hat untersucht, wie diese ihre ausländischen Qualifikationen anerkennen lassen können. Das Ergebnis: Es fehlt vor allem an Weiterbildungsangeboten.

Vorbildlich laufe das Verfahren bei der Ingenieurskammer, sagt René Böhme vom iaw und Autor der von der Arbeitnehmerkammer beauftragten Studie. „Dort berät eine eigene Fachkraft die Bewerber intensiv und begleitet das gesamte Verfahren Schritt für Schritt.“ Hier wurden zuletzt in Bremen für rund 85 Prozent der Anträge die Abschlüsse anerkannt. Bei den Behörden, die etwa für Erzieher oder Ärzte zuständig sind, sei die Situation schlechter. Den zuständigen Stellen fehle das Personal, um die gestiegene Nachfrage bewältigen zu können, so Böhme.

Nach der Anerkennung stünden die Bewerber oft vor dem Problem, die entsprechende Fachsprache nicht zu beherrschen – es fehlt an unterstützenden Kursen. Zu den häufigsten Problemen bei den Anerkennungsverfahren gehören unvollständige Dokumente. „In vielen Berufen müssen erst noch Vorbereitungskurse und Prüfungen entwickelt werden, um die beruflichen Kenntnisse von Bewerbern überprüfen zu können.“ Auch dauere die Bearbeitung der Fälle oft zu lange. Pfleger_innen, Ärzt_innen, Erzieher_innen, Ingenieur_ innen und Lehrer_innen: Das sind die fünf am stärksten in der Bremer Anerkennungsberatung nachgefragten Berufe. Obwohl Lehrkräfte dringend in Bremen benötigt werden, wurden 2015 nur acht von 50 Fällen positiv beschieden. Der Hintergrund: In vielen Ländern müssen Lehrkräfte nur ein Fach studieren, in Deutschland mindestens zwei. Nur Hamburg hat sein Anerkennungsgesetz entsprechend angepasst.

Doch selbst wer als Lehrer zwei Fächer vorweisen kann, braucht in der Regel eine Weiterbildung, um den Standards in Deutschland zu genügen. Die Angebote fehlen mitunter (siehe auch Porträt Anerkennung): „Wenn die entsprechenden Fächer an der Uni Bremen nicht angeboten werden – wie zum Beispiel Sport – können die fehlenden Kenntnisse und Prüfungen nicht nachgeholt werden“, so Böhme. Ähnliches gelte für Ärzte, da das Fach Medizin in Bremen ebenfalls nicht gelehrt wird. Länderübergreifende Kooperationen wären notwendig. „Die gibt es aber noch nicht.“

„Die Politik heißt ausländische Fachkräfte willkommen und will sie schnell integrieren, die Praxis ist aber komplizierter“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer.

www.arbeitnehmerkammer.de  

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Januar 2018" entnommen.