Porträt Anerkennung: Sayad Nikhbahd, Kfz-Elektriker aus Iran

01.05.2018

 Am liebsten in die große Stadt

Was in Deutschland ein Ausbildungsberuf ist, wird im Iran an der Universität gelehrt: Kfz-Elektriker. In Lahidschan, drei Stunden entfernt von Teheran, am Südufer des Kaspischen Meers, hat Sayad Nikhbahd diesen Beruf studiert. Zwei Jahre, von 2012 bis 2014, besuchte Nikhbahd die Universität, danach setzte er seine Ausbildung in der Praxis fort. In Ahvaz, ganz im Süden des Iran, und später dann in der Hauptstadt Teheran, arbeitete er in großen Werkstätten. Bis Nikhbahds Leben sich 2015 so änderte, wie das von so vielen jungen Iranern in jener Zeit. Sie mochten die religiöse Diktatur nicht länger widerspruchlos hinnehmen. Ins Detail geht Nikhbahd nicht, „politische Probleme”, so nennt er es. Er musste fliehen.

Mit seiner Frau kam er nach Deutschland, fand sich in Bielefeld wieder, im November 2015 war das. Das Paar beantragte Asyl. Es war eine, wenn man so will, günstige Zeit dafür. 2016 erkannte das Bundesamt für Asyl und Migration etwa 60 Prozent aller iranischen Antragsteller_innen an. Die Lage in dem Land galt als repressiv. Auch Nikhbahd und seiner Frau wurde Schutz „zuerkannt”, wie es heißt, jedenfalls vorübergehend: drei Jahre dürfen sie erst einmal in Deutschland bleiben. Sie zogen nach Bochum, fanden eine Wohnung, bezogen Sozialleistungen vom Jobcenter.

Aber Nikhbahd wollte das nicht mehr. „Ich will selber Geld verdienen”, sagt er. „Wenn ich eine Stelle finde, dann kann ich umziehen, in eine große Stadt.” Frankfurt, zum Beispiel, Hamburg oder München. „Da will ich gern leben.” Er besucht den A1- und den A2-Kurs und er erfuhr beim Jobcenter, dass er nicht einfach so in Deutschland in seinem Beruf arbeiten kann, sondern nachweisen muss, dass er dafür genug über sein Handwerk weiß.

„Meine Zeugnisse habe ich alle mitgenommen”, sagt Nikhbahd. Die Beraterin Nino Melashvili vom IQ Netzwerk in Essen besprach mit der Handwerkskammer, welche Papiere Nikhbahd genau würde vorlegen müssen. „Ich habe dann alles übersetzen lassen.” 500 Euro hat das gekostet, das Jobcenter hat bezahlt. Im Februar 2017 schickte er die Unterlagen zur IHK, dann ging es schnell. Im April erfuhr er: Seine Ausbildung ist einer deutschen „gleichwertig”.

Sein Deutsch aber war noch mangelhaft, jedenfalls für seinen Beruf. Er stellte einen Antrag, besuchte den B2- Kurs, lernte weiter. Im Februar 2018 schließlich absolvierte er auch diese Prüfung. Das, glaubte er, reichte vorerst. „Dann habe ich angefangen, Bewerbungen zu schreiben.” Auf „stellenanzeigen.de” schaut Nikhbahd sich um, nach Offerten vor allem in den großen Städten, in denen er gern leben will. Bislang hatte er kein Glück, aber so schnell gibt er nicht auf.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Mai 2018" entnommen.