Forscher: Islamdebatte grenzt junge Muslime aus

01.05.2018

Immer wieder betonen konservative Politiker öffentlich, dass der Islam „nicht zu Deutschland gehört”.  

Auch der neue Innenminister Horst Seehofer (CSU) gab direkt nach seinem Amtsantritt ein entsprechendes Interview. Diese Debatte wirke vor allem auf junge Muslime stark ausgrenzend, sagte der Essener Universitätsprofessor und Leiter der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung, Haci Halil Uslucan, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

An die jüngere Generation mit Migrationshintergrund werde ein widersprüchliches Signal gesendet, sagte Uslucan, der auch Mitglied im Sachverständigenrat Migration (SVR) ist. Man erwarte von ihnen, sich zu integrieren. Gleichzeitig grenze man sie mit Sätzen wie „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ aus. Das sei „vollkommen widersinnig“, so Uslucan.

In Studien zeige sich die Auswirkungen insbesondere auf die Kinder und Enkel früherer Einwanderer. „Die Fokussierung der Integrationsdebatte auf Türken, Türkeistämmige und Muslime schafft Skepsis bei denen, die hier geboren und aufgewachsen sind“, so Uslucan. „Sie wollen, dass der Mehmet das bekommt, was auch dem Sebastian zusteht.“

Uslucan sagte, die Religion dürfe bei der Integration nicht überschätzt werden. Repräsentative Umfragen des SVR hätten ergeben, dass die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft vor allem am festen Arbeitsplatz und an der Staatsangehörigkeit bemessen werde. Fragen von Religiosität oder kultureller Herkunft seien nachrangig. Im Bildungsbereich zeige sich dagegen deutlich, dass die ökonomische Situation der Eltern entscheidender für Erfolge in Schule und Beruf ist als die Religionszugehörigkeit.

Uslucan begrüßte, dass Seehofer den Dialog in der Deutschen Islamkonferenz fortsetzen wolle. Es sei richtig, zu überlegen, wie man deutsche Moschee- Gemeinden von der Finanzierung aus dem Ausland entkoppelt, so Uslucan. Er regte an, zu prüfen, „welche Aufgaben auch über eine staatliche Finanzierung aufgefangen werden könnten“.

 Aci Halil Uslucan
Professor Uslucan: © ZFTI

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Mai 2018" entnommen.