Viele neue Bürger_innen aus dem Osten

01.05.2018

Immer weniger Flüchtlinge kommen noch nach Deutschland. Aus der EU aber wandern mehr Menschen ein als zuvor – und zwar vor allem aus Osteuropa.  

Insgesamt zogen im vergangenen Jahr 439.000 EU-Bürger_innen in die Bundesrepublik – fast zwei Drittel mehr als im. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes geht dies vor allem auf Staatsangehörige der osteuropäischen Länder zurück, die seit 2004 der EU beigetreten sind. Die höchste Nettozuwanderung entfiel auf Pol_ innen (85.000) und Rumän_innen (85.000) sowie Bulgar_innen (45.000).

Seit Beginn der Freizügigkeit für Menschen aus östlichen EU-Staaten im Jahr 2007 ist deren Zahl von 919 000 auf 2,6 Millionen Ende 2017 gewachsen. Unter der ausländischen Bevölkerung insgesamt haben Zuwanderer aus den östlichen EU-Staaten einen besonders hohen Anteil in den neuen Bundesländern ohne Berlin. Hier beträgt ihr Anteil unter allen Menschen mit ausländischem Pass 26 Prozent, in den alten Bundesländern dagegen nur 7,8 Prozent. „Im Rahmen der Flüchtlingswelle ist Migration aus den östlichen EU-Staaten ein wenig aus dem Fokus gerückt. Aber langfristig ist sie sicher die bedeutendere und auch länger anhaltende“, sagt Ulf Brunnbauer vom Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Das sind ja keine Armutsflüchtlinge, sondern Menschen, die Deutschland etwas anbieten, was auch nachgefragt wird auf dem Arbeitsmarkt“, betont Brunnbauer. Er erinnert an die teils hochemotionalen Diskussionen, die vor der ersten EU-Osterweiterung im Jahr 2004 geführt wurden. Während Großbritannien, Irland und Schweden ihren Arbeitsmarkt sofort für Menschen aus den neuen Ländern öffneten, schufen Deutschland und Österreich mit Übergangsfristen die höchsten Hürden.

„Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Befürchtungen, die man anfangs hatte, sozio-ökonomisch nicht wirklich plausibel waren“, so Brunnbauer. „Die britische Wirtschaft hat sehr stark profitiert von osteuropäischen Einwanderern – und die deutsche und die österreichische tun das heute auch.“ Während im vergangenen Jahr 24,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten deutschen Frauen im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiteten, waren in diesem Bereich zwölf Prozent der in Deutschland arbeitenden Frauen aus Bulgarien und Rumänien tätig, sagt Carola Burkert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Frankfurt der dpa. „Auffällig ist, dass die Frauen aus den neuen EU-Staaten häufig einer höher qualifizierten Tätigkeit nachgehen als die männlichen Migranten aus diesen Ländern“, sagt Burkert. Männer würden vermutlich wegen Sprachproblemen oder fehlender Anerkennung ihrer Abschlüsse etwa als Lagerarbeiter oder im Wachdienst arbeiten. „Die Lohnunterschiede im Vergleich zum Einkommen im Herkunftsland sind so groß, dass für sie auch eine solche Tätigkeit finanziell attraktiver ist.“

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Mai 2018" entnommen.