„Vielfalt darf kein Lippenbekenntnis sein”

01.05.2018

Das Motto des 21. DGB Bundeskongress 2018 lautet „SOLIDARITÄT_VIELFALT _GERECHTIGKEIT“. Aber wie vielfältig sind die Delegierten?

Da ist noch viel Luft nach oben, sagt der ver.di Migrationsreferent Romin Khan. Das müsse sich ändern. Er fordert eine aktive Beteiligungspolitik mit denselben Instrumenten wie im Bereich Geschlechterpolitik.

Forum Migration: Romin, Du kritisierst, dass auch bei diesem Kongress kaum Kolleg_innen mit Migrationshintergrund unter den Delegierten sind. Was heißt das konkret?
Romin Khan: ver.di hat in diesem Jahr etwa 130 Delegierte zum DGB Kongress entsandt. Ich schätze etwa zwei bis drei Prozent davon haben einen Migrationshintergrund. Es stellt sich natürlich die Frage, inwiefern sich hier die gewerkschaftlichen Realitäten widerspiegeln, wenn zum Kongress Spitzenfunktionäre zusammenkommen. Aber klar ist: Das sind viel zu wenige. Gerade wenn wie in diesem Jahr das Motto „SOLIDARITÄT_VIELFALT_GERECHTIGKEIT“ ist, muss sich die Vielfalt auch in den eigenen Reihen widerspiegeln. Die Gewerkschaften sind hier ganz sicher gefordert, dafür zu sorgen, dass Vielfalt kein Lippenbekenntnis bleibt.

Du sagst, es sei fraglich, ob sich die gewerkschaftlichen Realitäten in der Zusammensetzung der Delegierten widerspiegeln. Wie migrantisch ist denn diese Realität?
Die jüngsten Streiks der IG Metall und auch im öffentlichen Dienst haben eindeutig gezeigt, dass die Kolleg_innen mit Migrationshintergrund zu den aktivsten Gruppen gehören. Und eine groß angelegte Untersuchung der IG Metall hat kürzlich nachgewiesen, dass es eine überdurchschnittliche Repräsentation von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Interessenvertretungen und in den betrieblichen Strukturen der IG Metall gibt. Dazu muss es auch in den Gremien eine Entsprechung geben.

Die IG Metall hat mit dieser Befragung ermittelt, dass etwa ein Fünftel der IG Metall-Mitglieder einen Migrationshintergrund haben. Bei den Betriebsräten und den Vertrauensleuten liegt dieser Anteil noch deutlich höher. Hat ver.di eine vergleichbare Studie wie die IG Metall durchgeführt?
Leider nicht. Es wäre sehr interessant zu wissen, was dabei herauskommt.

Wie kann es gelingen, die Gremien zu verändern?
Nur durch einen konkreten politischen Plan, nicht durch Appelle oder Bekenntnisse. Dass diese nichts bringen, hat die Vergangenheit gezeigt. Es braucht einen politischen Plan für das Empowerment der migrantischen Kolleg_innen und für die Öffnung der Strukturen. Dazu müssen wir uns die Instrumente anschauen, die in der Vergangenheit ja bereits funktioniert haben.

Du meinst Instrumente aus dem Bereich Gender- Gleichstellung?
Genau. Gleichstellungspläne, Quotierungen, solche Dinge. Die haben beim Thema Beteiligung von Frauen dazu beigetragen, dass sich die Gremien verändert haben. Warum soll das im Bereich Integration nicht auch möglich sein?

 Romin Khan
Foto: © Christian Jungeblodt


Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Mai 2018" entnommen.