Flüchtlinge landen in Brennpunkt-Schulen

01.04.2018

Junge Flüchtlinge sollten ausgewogener als bisher auf die Schulen in Deutschland verteilt werden. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR). Seit 2015 haben die Schulen schätzungsweise 130.000 jugendliche Flüchtlinge aufgenommen. Das Problem: Besonders in Großstädten lernen viele von ihnen an Schulen, an denen mehrheitlich Jugendliche mit Migrationshintergrund und sozialer Benachteiligung unterrichtet würden.

Die Autor_innen befragten Aushilfslehrkräfte zu ihren Erfahrungen an bundesweit 56 Schulen, an denen sie zur Unterstützung eingesetzt waren. Der Untersuchung zufolge besuchen die jungen Flüchtlinge zunächst ein- bis zweijährige Vorbereitungs- oder Willkommensklassen, bevor sie in den Regelunterricht wechseln. Dort träfen sie mehrheitlich auf Kinder, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben und sozial benachteiligt sind. In diesen Klassen würden die Flüchtlinge dann häufig nicht mehr ausreichend unterstützt.

Die Schulen mit hoher Migrant_innenquote könnten wegen ihrer Erfahrung mit Zuwanderung zwar gute Möglichkeiten bieten, so die SVR-Studie. Doch die Schülerschaft sei hier oft belastet von Konflikten, Schüler_innen zeigten schwache Leistungen. Dies könne Flüchtlingen das Lernen erschweren. Und das soziale Umfeld beeinflusse die Bildungschancen von Kindern hierzulande stärker als im Durchschnitt der OECD-Länder. Das sei schon vor der verstärkten Flüchtlingsaufnahme so gewesen, sagte Winfried Kneip, Geschäftsführer der Stiftung Mercator.

Deswegen sollten die jungen Flüchtlinge nach den Vorbereitungs- oder Willkommensklassen ausgewogen auf die Schulen innerhalb von Kommunen oder Regionen verteilt werden, raten die Expert_innen. Bei ihrem Übergang in eine Regelklasse sollten Schulen und Behörden auch die soziale, sprachliche und kulturelle Zusammensetzung berücksichtigen. Die Experten lobten Hamburg, wo höchstens vier geflüchtete oder anderweitig neu zugewanderte Jugendliche gemeinsam in einer Regelklasse lernen dürfen. Bei ihrer Ausbildung sollten Lehrer_innen zudem besser auf kulturelle, sprachliche und soziale Unterschiede bei den Schülern vorbereitet werden.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration April 2018" entnommen.