Porträt Anerkennung: Nans Leidig, Auszubildende Möbeltischlerin aus Dänemark - Der Hype half nicht

01.08.2017

Ihr sei schon klar, sagt Nans Leidig, dass sie Glück hat, aus Dänemark zu kommen. „Dieser Hype um dänische Möbel überall, der hat natürlich vieles leichter gemacht.“ Aber eben nicht leicht genug.

Einst war die 34-Jährige in ihrer Heimat Kopenhagen Fernsehproduzentin. Eine gute Arbeit. „Aber viel zu viel Zeit, die ich in dunklen Schneideräumen vor dem Monitor saß.“ Sie wollte etwas Handwerkliches.

Leidig gab den TV-Job auf und begann im Herbst 2015 eine Ausbildung als Möbeltischlerin. Das dänische Ausbildungssystem unterscheidet sich leicht von dem deutschen – vor allem in dem Punkt, dass die Auszubildenden außerhalb der Berufsschulphasen nicht in einem, sondern meist in mehreren Betrieben jeweils für einen Teil der 2,5-jährigen Ausbildung arbeiten. Und da begann das Problem: „Es gibt nicht genug Plätze“, sagt Leidig. Sechs Monate besuchte sie zunächst in Vollzeit eine Berufsschule. In dieser Zeit bekam sie dem BaföG vergleichbare Leistungen in Höhe von umgerechnet etwa 750,– Euro. Dann folgte ihr erster Ausbildungsbetrieb, Lohn umgerechnet etwa 1.300,– Euro. Sechs Monate arbeitete sie dort, wie in Dänemark üblich. „Danach habe ich nichts Neues mehr gefunden.“

Das Problem ist dem dänischen Bildungsministerium bekannt. „Die Regierung ermutigt deshalb Auszubildende zum Beispiel nach Deutschland zu gehen.“ In Leidigs Berufsschule gab es dafür einen eigenen Berater. Er wies unter anderem auf die staatlichen dänischen Wohn- und Reisekostenzuschüsse für dänische Azubis im Ausland hin. Die bekommt allerdings nur, wer einen Ausbildungsvertrag vorlegt. Leidig gefiel die Idee, die weiteren Stationen ihrer Ausbildung in Deutschland zu absolvieren. „Ich komme seit Jahren zu Besuch nach Berlin, habe hier mittlerweile einen Freundeskreis“, sagt sie.

Im April 2017 zog sie nach Neukölln, schrieb sich auf eigene Kosten bei einer Deutsch-Schule ein. „Ich spreche ganz gut, aber ich bin trotzdem bei A1 eingestiegen, damit ich die ganze Grammatik lerne“, sagt sie. Dann machte sie sich auf die Suche nach einem Möbeltischlerbetrieb, zeigte den Meistern die Mappe mit Fotos ihrer Werkstücke. „Das Problem war, dass unser dänisches Modell hier total unbekannt ist“, sagt Leidig. Einen normalen Ausbildungsplatz, von null an, hatten ihr einige angeboten. „Aber ich wollte natürlich nicht von vorn anfangen, sondern mittendrin, ich habe ja schon viel gelernt. Das sollten sie anerkennen.” In zwei bis drei Betrieben mit unterschiedlichen Schwerpunkten, für jeweils ein halbes Jahr – das will sie.

Rechtlich gibt es diese Möglichkeit. Doch die meisten Betriebe hatten von solchen Kurzzeit-Ausbildungsverträgen noch nie gehört oder wollten sich darauf nicht einlassen. „Es sind sehr unterschiedliche Traditionen“, sagt Leidig. 40 Betriebe hat sie mittlerweile kontaktiert. Eine Zusage hat sie nicht, nur einige Wartelistenplätze. „Aber ich bin stur“, sagt Leidig.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration August 2017" entnommen.