Das Erbe von Max Diamant

01.12.2017

Es ist die erste ihrer Art: Eine Studie untersucht, welche Rolle Kolleg_innen mit Migrationshintergrund in der IG Metall spielen. Keine andere Gewerkschaft hat das bislang so umfangreich erforschen lassen. Erste Ergebnisse gab die IG Metall bereits vor einigen Monaten bekannt (siehe Forum Migration 05/17). Auf einer Fachtagung wurden nun die genauen Ergebnisse vorgestellt. Der Studienleiter Serhat Karakayali vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) erläutert, warum Migrant_innen in der IG Metall so wichtig sind.

Fast jedes vierte IG Metall-Mitglied im Betrieb – genau 24,4 Prozent – hat ausländische Wurzel. Das ist mehr als ihr Anteil an den Beschäftigten und an der Bevölkerung insgesamt. Noch stärker ist diese Tendenz bei den betrieblich Aktiven: Ein Drittel aller Betriebsräte, elf Prozent der Betriebsratsvorsitzenden und 19 Prozent der stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden haben einen Migrationshintergrund.

Auf einer Fachtagung im Oktober präsentierte der Autor der Studie, Serhat Karakayali, die Ergebnisse. „Es gibt hier ganz offensichtlich schon seit den 1960er Jahren eine spezifische Organisationskultur, die auf die Beteiligung ausländischer Arbeiter_innen abzielt”, sagt Karakayali Forum Migration. Der Nationalsozialismus spiele eine wichtige Rolle dabei, wie sich die Einstellung gegenüber Arbeitern ausländischer Herkunft entwickelt habe. Die Erfahrungen von Rassismus und Diskriminierung, die Linke wie etwa der für den Aufbaue der IG Metall wichtige Jude und Gewerkschafter Max Diamant machen mussten, habe sie für den späteren Kampf um Rechte der ausländischen Kollegen sensibilisiert. Das zeige sich bis heute etwa in der Satzung der IG Metall, die den Kampf gegen Rassismus festschreibt, sagt Karakayali.

Ob der der hohe Anteil aktiver Kollegen mit ausländischen Wurzeln heute einen Einfluss auf Offenheit der IG Metall-Basis gegenüber Rechtspopulismus habe, sei aber offen. „Auch viele Personen mit Migrationshintergrund haben xenophobe Einstellungen und sagen: 'Das sind jetzt aber zu viele'“, sagt Karakayali. „Sie sehen die eigene Migrationsgeschichte nicht und betrachten die neu Ankommenden als Konkurrenz.”

Das Interview im Wortlaut

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Dezember 2017" entnommen.