Nach dem Gesellenbrief geht es weiter: Porträt Anerkennung - Fischbacher, Nussdorf am Inn

01.07.2017

Das mit dem Lernen, das hört ja sowieso nie auf, sagt Christian Bades, Leiter der Anton Fischbacher Kfz-Werkstatt in Nussdorf am Inn. Jedem, der Lehrlinge ausbildet, sei das klar. Das Wissen in der Kfz-Branche „verdoppelt sich alle zwei Jahre“, sagt Bades.

Und wenn ein Lehrling seine Ausbildung nach 3,5 Jahren beende, dann müsse er „drei Mal so viel Stoff nachholen“. So sei das eben. So sei es eben auch bei jenem jungen Kfz-Mechaniker aus Slowenien gewesen. „Was willst Du bei uns erreichen?“, hat Bades den 22-jährigen Mann gefragt, der sich im Frühjahr 2016 bei Fischbacher beworben hatte. Die Werkstattfläche war da gerade um 1.000 Quadratmeter vergrößert worden, das Unternehmen brauchte Verstärkung. „Proaktiv“ habe der junge Mann, den es aus familiären Gründen in den Landkreis Rosenheim verschlug, sich beworben. Der slowenische Gesellenbrief wurde nicht automatisch anerkannt. So fing er zunächst als ungelernter Arbeiter an. Damit wäre der Mann allerdings auf Dauer in der untersten Lohngruppe geblieben. Zudem lassen die Autohersteller für Weiterbildungen nur Fachkräfte mit Gesellenbrief zu. „Mit zu großen Schuhen kann man nicht gehen, aber mit zu kleinen auch nicht. Wenn jemand immer nur putzen und Schachteln wegräumen darf, das wird scheitern“, sagt Bades. Also sollte der Mann seinen slowenischen Gesellenbrief anerkennen lassen. Dazu mussten bestimmte Wissenslücken geschlossen werden. Bades allerdings legte die Weiterbildung nicht nur auf die Anerkennung an, sondern gleich auch auf die weitergehende Spezialisierung. Mit dem jungen Mann und der IHK legte er einen individuellen „Entwicklungsplan“ mit „Meilensteinen“ fest, wie er es nannte. Anders als sonst oft üblich, war die Anerkennung durch die IHK als Kfz-Mechaniker nur einer dieser Meilensteine. Danach ging es nahtlos weiter mit der Fortbildung. Diese Form der Nachqualifizierung einer ausländischen Fachkraft brachte Bades im Juni den Unternehmenspreis „Wir für Anerkennung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Deutschen Industrie- und Handelskammertags und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks ein. Kurse zu „Druckluftbremsen“, „Abgasnachbehandlung“, „Fahrdynamik“ oder „Adblue-Partikelfiltern“ – das waren solche „Meilensteine“. Nach jedem gab es eine Lohnerhöhung. Der Kollege reiste zu Fortbildungen des Bremsenherstellers Knorr oder des Lkw-Bauers DAF. Im April 2017 erkannte die IHK seinen Gesellenbrief an. Nun laufen die Vorbereitungen für die weitere Ausbildung als so genannter Diagnosespezialist für Fahrdynamik. „Das war uns wichtig: Nach der Anerkennung nicht stehen zu bleiben“, sagt Bades. Ohne die Hilfe der Kolleg_innen sei dies nicht möglich gewesen. „Im Deutschkurs lernt er: ‚Zitrone schmeckt sauer und Zucker schmeckt süß‘. Wenn man dann unsere Reparaturanleitung liest, versteht man nichts. Deswegen musste jeder Monteur bereit sein ihm mit den Fachbegriffen zu helfen. Da haben alle gemeinsam viel geleistet.“

www.anerkennungspreis.de

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Juli 2017" entnommen.