„Nichts angekommen“: Integrationskurse auf dem Land

01.06.2017

Vor einem Jahr hat die Bundesregierung die Integrationskurse für Menschen aus Ländern mit „guten Bleibeperspektiven“ schon während des Asylverfahrens geöffnet. Doch im ländlichen Raum ist dies nicht überall angekommen: Es fehlt an Kursplätzen, Beratungsstellen müssen Berechtigte immer wieder vertrösten, sagt Rebecca Mansel vom Diakonischen Werk Husum.

„Es gibt bei uns keinen erkennbaren Unterschied zur Situation vor der Öffnung”, so Mansel. Rund die Hälfte der etwa 300 im Amt Eiderstedt lebenden Flüchtlinge seien betroffen, schätzt die Beraterin. Für diese gebe es trotz Berechtigung keine Kursplätze. Ein Grund, so Mansel, seien hohe bürokratische Hürden: „Es gab schon immer zu wenige Lehrer für Deutsch als Zweitsprache.“ Wer etwa Germanistik studiert habe und als Lehrer_in für die Integrationskurse arbeiten wolle, müsse sich vom BAMF zertifizieren lassen. Hinzukomme im ländlichen Raum die unzureichende Fahrtkostenpauschale. „Das ist ein Witz, man bekommt weniger, als man verfährt,“ sagt Mansel. Auch für die Flüchtlinge sei der Modus für die Fahrtkostenabrechnung oft nicht praktikabel. „So wird verhindert, was eigentlich gewollt ist.“ Mansel glaubt, dass vor allem eine bessere Bezahlung der Dozent_innen das Kursangebot im ländlichen Raum lösen könnte. „Die Realität ist, dass man von seinem Job leben können muss“, sagt sie. „Dann würde sich das bei uns rapide ändern.“

Gleichwohl sei der ländliche Raum ein guter Ort zum Ankommen für die Geflüchteten, sagt Mansel. „Am Anfang wollen sie meist weg, aber wenn sie hier sind, merken sie, dass es Vorteile hat.“ So seien etwa in Eiderstedt alle Flüchtlinge dezentral untergebracht, viele Nachbarn würden helfen. „Das macht viel aus, damit die Geflüchteten sich hier wohlfühlen können.“ Ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft sei ein mehrsprachiger Informationsflyer, den das regionale Nordfriisk Institut für Flüchtlinge erstellt habe.

Flyer des Nordfriisk Institut: http://bit.ly/2qK1RNX

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Juni 2017" entnommen.