Polizei noch nicht vielfältig: wenige Beschäftige mit Migrationshintergrund

01.03.2017

In den meisten Bundesländern werden weiterhin zu wenige Menschen mit Migrationshintergrund in den Polizeidienst eingestellt. Das ergab eine Erhebung des Mediendienstes Integration.

In Schleswig-Holstein etwa hatten 2016 lediglich 5,4 % der Bewerber_innen und 3,5 % der neu Eingestellten einen Migrationshintergrund. In der Landesbevölkerung sind es 13,2 %. In NRW hatte unter den neu Eingestellten immerhin jeder Neunte eine Migrationsgeschichte, im Vergleich zu jedem Vierten in der Bevölkerung. Lediglich in Sachsen, wo nur 5 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben, waren neu eingestellte Polizist_innen mit rund 9 % überrepräsentiert. Außer Bayern, Brandenburg und Thüringen haben allerdings alle Bundesländer Maßnahmen zur Anwerbung von Menschen mit Migrationshintergrund getroffen, etwa mehrsprachige Flyer oder Veranstaltungen in Schulen mit hohem Migrationsanteil.

In Hamburg sei die Zahl der Polizistinnen und Polizisten dadurch gestiegen. Von einer interkulturellen Öffnung könne jedoch nicht die Rede sein, sagt der Polizeiforscher Rafael Behr von der Akademie der Polizei Hamburg. „Einwanderer und ihre Nachkommen werden nur dann als gute Kollegen anerkannt, wenn sie die traditionellen Gepflogenheiten und das Selbstverständnis nicht infrage stellen.“ „Welche Wurzeln ein Bewerber für den Polizeidienst hat, spielt keine übergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, die entsprechende Qualifikation vorweisen zu können“, sagt dazu der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, Forum Migration. Die GdP sei seit Jahren bestrebt, die interkulturelle Kompetenz der Kolleg_innen zu fördern. „Die bisherige Entwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, auch wenn die Resonanz noch viel größer sein könnte.“

Unterdessen wandte sich die GdP in Thüringen in ungewöhnlicher Schärfe gegen die AfD. „Wir schämen uns dafür, dass es ein demokratisch gewählter Abgeordneter des Thüringer Landtages ist, der ungestraft solche Reden hält“, erklärte die GdP mit Blick auf den thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke. Für die GdP Thüringen sei nun „in Granit gemeißelt, es wird keinerlei Kontakt zwischen der GdP Thüringen und der AfD geben“.

Studie zu Vielfalt bei der Polizei: http://bit.ly/2lSSMgD

Stellungnahme der GdP Thüringen: http://bit.ly/2kUPCev

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration März 2017" entnommen.