Formell. Non-formal. Anders.

Ein wenig in der Freizeit am Auto rumgeschraubt und schon ausgebildeter KFZ-Mechatroniker_in? So einfach ist es nicht. Doch es gibt Wege informelle Qualifikationen anerkennen zu lassen.

Welche? Darüber diskutieren wir auf unserer Tagung

Symbolfoto: © Minerva Studio - Fotolia

Wendepunkt

Nächstes Jahr wird zum ersten Mal ein umfassendes, globales Abkommen über die Migration entwickelt – der Global Compact on Migration der UN.

Guy Ryder, Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, erläutert in seinem Kommentar im Forum Migration, warum das zu einem Wendepunkt für die Zukunft der Migration werden kann.

Mehr

Foto: © elenabsl / Fotolia.com

Gnadenlos

In der EU wird das sogenannte Mobilitätspaket verhandelt. Die Stärkung des Sozialen  werde „gnadenlos der Liberalisierung des Binnenmarktes untergeordnet“, sagte DGB Vorstandsmitglied Stefan Körzell.

Was dahinter steckt? Hier mehr

Symbolfoto: © Brad Pict / Fotolia.com

Einstellungssache

Sei können den Weg eines Kindes massiv beeinflussen: Lehrerinnen und Lehrer. Eine neue Studie brachte nun Überraschendes zu ihren Einstellungen zu Migrantinnen und Migranten zu Tage.

Zum Artikel

Foto: © Jasmin Merdan / Fotolia.com

Menschen, die Schutz brauchen, niemals ablehnen: Kommentar von Dr. Alberto Friggieri, Botschafter der Republik Malta

01.02.2017

Kommentar von Dr. Alberto Friggieri, Botschafter der Republik Malta in Deutschland. Malta nahm am 1. Januar 2017 den Vorsitz des EU-Rates ein.

Die Flüchtlingsherausforderung kennen wir in Malta sehr gut. Die ersten Flüchtlinge kamen schon 2002 bei uns an. Man sprach damals meistens von „irregulären Einwanderern“. Sie strandeten an Maltas Küste oder wurden durch unsere kleine Küstenwache gerettet und an Land gebracht.

Malta ist der Mitgliedstaat, der die meisten Zuwanderer pro Kopf beherbergt. Und wir haben auch eine der höchsten Anerkennungsraten für Asylanträge. Momentan kommen weniger Flüchtlinge bei uns an, aber das kann sich rasch ändern. Malta hält sich an den Verteilungsmechanismus und nimmt Flüchtlinge von Italien und Griechenland auf.

Wir haben seit vielen Jahren betont, dass die Flüchtlingsherausforderung nicht nur die europäischen Mittelmeeranrainerstaaten betrifft. Als die Flüchtlingswelle im Mittelmeer größer wurde, sagte Malta – wie die anderen Anrainer auch – dass die Einwanderung eine Herausforderung für Europa, für die EU als Ganzes sei. Malta hat die nicht direkt betroffenen Mitgliedstaaten stets um Solidarität gebeten. Lange Jahre haben wir kaum Unterstützung erhalten. Wir mussten es alleine bewältigen. Dann kamen Flüchtlinge und Migranten über die Balkanroute und erreichten Länder, die vorher kaum betroffen waren. Erst dann – aber dann ziemlich rasch – wurde die Frage als die größte Bewährungsprobe in der Geschichte der EU anerkannt.

Wir glauben heute immer noch: Wir müssen in Europa angesichts dieser Herausforderung eng zusammenhalten, so wie wir in der Finanzkrise und angesichts anderer schwieriger Situationen in der Vergangenheit zusammenhielten. Natürlich müssen wir unsere Außengrenzen besser schützen. Und doch werden wir Personen in Not retten und so gut es geht helfen – das ist eine moralische und eine rechtliche Pflicht. Malta wird Menschen, die Schutz brauchen, niemals ablehnen.

Ein Hauptziel unserer im Januar aufgenommenen EU-Ratspräsidentschaft ist deshalb die Stärkung und Straffung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, damit eine gerechtere Verteilung der Migrationslast zwischen den Mitgliedstaaten erzielt werden kann. Die Dublin-Verordnung, wonach das Land für die Aufnahme von Flüchtlingen zuständig ist, das sie zuerst erreichen, ist angesichts der großen Anzahl von Hilfesuchenden nicht angemessen.

Auf dem EU-Afrika-Migrationsgipfel in Malta im November 2015 wurde an dem Konzept gearbeitet, wonach die Regierungen von afrikanischen Staaten, aus denen viele Flüchtlinge stammen oder die als Transitländer dienen, gebeten und ermutigt wurden, mitzuwirken. Zusammen mit der Europäischen Kommission wird sich Malta um den Ausbau dieser Partnerschaften bemühen. Der externe Investitionsplan der EU muss ausgebaut werden; unsere Politiker in Malta sprachen in der Vergangenheit manchmal von einem „Marshall-Plan“ für gewisse Länder Afrikas. In diesem Monat wird in Malta ein Folgetreffen stattfinden, um den Fortschritt seit dem EU-Afrika- Gipfel vom Herbst 2015 zu prüfen und Folgeschritte zu vereinbaren.

Wir müssen die Menschenschmuggler bekämpfen. Und wir müssen praktische legale Wege der Einwanderung in Mitgliedstaaten ermöglichen, die Menschen aufnehmen können. Wir möchten, dass das EASO (European Asylum Support Office), das seinen Sitz in Malta hat, in eine vollwertige Agentur der EU umgestaltet und zu einem wichtigen Element für die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems wird.

Es handelt sich also um einen breiten Komplex von Herausforderungen. Aber auch hier, wie bei der Lastenverteilung, müssen alle EU-Mitgliedstaaten zusammenhalten und eine gemeinsame Front bilden. Natürlich kann man diesen Problemen den Rücken kehren und sagen, das Ganze geht mich nichts an. Die Probleme sollen die Anderen lösen. Das ist aber sicherlich nicht die Idee einer Gemeinschaft wie die der Europäischen Union. Wir sind doch in einer Union, um uns gegenseitig zu unterstützen.

Was sollen wir in Malta, oder was sollen die Menschen auf der italienischen Insel Lampedusa tun, wenn Menschen halbtot an unseren Küsten stranden oder dabei sind zu ertrinken? Sollen wir etwa so tun, als ob wir sie nicht wahrnehmen, als ob das keine Menschen wären? Das tun wir nicht einmal Delfinen an. Wenn Delfine sich verirren und an unseren Küsten stranden, tun wir alles Mögliche, um ihnen zu helfen. Sollen wir den Menschen in Not unsere Hilfe verweigern?

Dr. Alberto Friggieri
© Foto: M. El Sauaf (Bildjournalist) DJV

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Februar 2017" entnommen.