Obdachlose sollen ausreisen

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Migrant_innen wenden sich von der CDU ab: Studie zu Parteipräferenz

01.01.2017

Forscher haben in zwei Studien Parteipräferenz und Bildungsmotivation von Zuwanderern und Flüchtlingen untersucht. Das Ergebnis: Sie mögen die SPD und den Rechtsstaat.

Nach einer Untersuchung des Sachverständigenrates Migration (SVR) haben sich die Parteipräferenzen von Zuwanderer_innen in den vergangenen Jahren verschoben – deutlich zugunsten der SPD: 40 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund nennen die Sozialdemokraten die „Partei ihrer Wahl. Knapp 28 Prozent würden CDU oder CSU wählen, 13 Prozent Grüne und 11 Prozent die Linkspartei. Vor allem bei den Spätaussiedler_innen hat die Union demzufolge an Rückhalt verloren. Zwar bekämen CDU und CSU in der Gruppe der Aussiedler_innen und Spätaussiedler_innen noch 45 Prozent der Stimmen, sagte die Direktorin des Forschungsbereichs des Sachverständigenrats, Cornelia Schu. Bis 2008 gehörten aber noch 65 Prozent dieser Gruppe zu den potenziellen Unionswählern. Ein Viertel der Spätaussiedler_innen neigt der Studie zufolge der SPD zu. Dieser Wert ist damit stabil geblieben.

Von den Verlusten bei der Union profitieren demnach die AfD und die Linkspartei: 4,5 Prozent der Spätaussiedler_innen gehören der Studie zufolge zu potenziellen AfD-Wählern, 11,5 Prozent neigen der Linken zu. Der SVR unterstreicht in seiner Studie, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte inzwischen durchaus wahlentscheidend sein können und empfahl den Parteien, sie stärker einzubinden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) beklagte, es gebe noch zu wenig Menschen mit Migrationshintergrund in Spitzenämtern und Parlamenten. Im aktuell neu gewählten Abgeordnetenhaus von Berlin machten sie beispielsweise nur neun Prozent aus, in der Bevölkerung der Bundeshauptstadt aber 29 Prozent.

Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) zufolge haben die meisten Flüchtlinge in Deutschland eine sehr hohe Bildungsmotivation und teilen die Werte des demokratischen Systems in Deutschland. „Rund zwei Drittel wollen noch einen beruflichen Abschluss oder ein Hochschulstudium in Deutschland absolvieren“, sagte Herbert Brücker vom IAB. Er befragte fast 2.400 Flüchtlingen, die von 2013 bis 2016 in die Bundesrepublik kamen. Etwa drei Viertel der Flüchtlinge hätten bereits Berufserfahrungen. Die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt stehe aber erst am Anfang, sagte Brücker. Lediglich 14 Prozent der Befragten seien derzeit in irgendeiner Form erwerbstätig. Die Erwerbsmotivation sei aber hoch: 78 Prozent wollten sicher, weitere 15 Prozent wahrscheinlich arbeiten. Erfolg und Geschwindigkeit der Integration hängen der Studie zufolge neben der Aufenthaltsdauer maßgeblich vom Rechtsstatus ab. Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis hätten eine deutlich höhere Erwerbsbeteiligung als andere. Hinsichtlich der demokratischen und rechtsstaatlichen Wertvorstellungen hätten die Flüchtlinge ähnliche Überzeugungen wie die Deutschen. Sie unterschieden sich aber erheblich von den Vorstellungen der Bevölkerung in ihren Herkunftsgebieten.

Studie des SVR Migration zur Parteipräferenz: http://bit.ly/2hm3WcI

Untersuchung des IAB: http://bit.ly/2gsNNVw

Kommentar DGB: http://bit.ly/2hALpbw

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Januar 2017" entnommen.