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Abiturfach Muttersprache: Erweiterung des Fremdsprachenangebots in weiterführenden Schulen

01.01.2017

Die Koalition aus SPD und Grünen will das Fremdsprachenangebot an den weiterführenden Schulen unter anderem um Türkisch und Arabisch erweitern. „An diesem Unterricht können dann alle Schüler teilnehmen“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Die CDU ist dagegen.

Die Landesregierung bezieht sich auf Studien, wonach das Beherrschen der eigenen Muttersprache Voraussetzung für ein leichteres Lernen weiterer Sprachen ist. „Es reicht jedoch nicht aus, die eigene Herkunftssprache nur von den Eltern zu lernen“, sagte der schulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Heiner Scholing. „Dieser Spracherwerb ist mit dem Eintritt in der Schule nicht abgeschlossen.“ Schon seit mehreren Jahren werden deshalb Grundschüler_innen mit Migrationshintergrund auch in ihren eigenen Herkunftssprachen unterrichtet. „Nun soll das Angebot erweitert werden – bis hin zum Abitur“, sagte Scholing. In anderen Bundesländern wie Hamburg ist das schon Alltag.

Kritik an dem Vorhaben in Niedersachsen kam von der CDU-Fraktion. „Beim Spracherwerb steht für uns die Integration im Mittelpunkt“, sagte der Unions-Abgeordnete Clemens Lammerskitten. „Die Vermittlung der deutschen Sprache muss an erster Stelle stehen.“ Die Förderung der Herkunftssprache und des Deutschen „stehen nicht in Konkurrenz zueinander”, so der Grüne Scholing.

„Es ist grundsätzlich vernünftig, wenn die Herkunftssprache angemessen berücksichtigt wird und auch bei Prüfungen angerechnet werden kann“, sagt Richard Lauenstein, Vorsitzender der GEW Niedersachsen, Forum Migration. „Es ist keine Frage: Bei Arabisch müssen da Mittel und Wege gefunden werden.“ Bei der Breite der Migration dürfte es jedoch nicht möglich sein, jede Herkunftsgruppe zu berücksichtigen. „Wir fordern das als Gewerkschaft schon lange“, sagt der GEW Referatsleiter Allgemeinbildende Schulen in Niedersachsen, Henner Sauerland. Bislang gebe es in dem Bundesland nur ganz selten die Möglichkeit etwa in Form freiwilliger AGs muttersprachlichen Unterricht an Gymnasien zu belegen. „Wir haben uns dafür stark gemacht, dass es ersatzweise eine Sprachfeststellungsprüfung für die Muttersprache gibt.“ Aber tatsächlicher Unterricht habe gefehlt. „Schüler dafür gibt es genug“, sagt Sauerland. „Wir werden jetzt recherchieren: Gibt es dafür auch Lehrer?“

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Januar 2017" entnommen.