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Anerkennung der Qualifikation: Jeder dritte Flüchtling stellte Antrag

01.10.2017

Wer versucht, die Wertigkeit seiner Kenntnisse anerkennen zu lassen, hat damit häufig Erfolg. Das ergab eine Befragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) unter fast 5.000 Geflüchteten. Große Unterschiede macht die Sicherheit des Aufenthaltstitels aus.

Bislang hat rund ein Drittel der Geflüchteten mit im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen einen Antrag auf Anerkennung dieser Qualifikationen gestellt, so die Autor_innen der Studie. Große Unterschiede gebe es dabei je nach Aufenthaltsperspektive: Je sicherer die ist, desto häufiger werde ein Antrag gestellt. Menschen, die lediglich geduldet sind oder nur eine Aufenthaltsgestattung haben, würden „signifikant seltener” versuchen, ihre beruflichen Qualifikationen anerkennen zu lassen. Relevant scheine zudem zu sein, inwieweit im Herkunftsland eine strukturierte berufliche Ausbildung durchlaufen wurde und entsprechende Zertifikate vorliegen.

Im Schnitt lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Antragsteller_innen bei rund 1,5 Jahren. Der Anteil derjenigen, die eine Anerkennung beantragt haben, nehme mit der Aufenthaltsdauer zwar tendenziell zu, die „Zunahme verliert aber etwas an Dynamik”, so die Forscher – der Anteil steige also immer langsamer. Sie vermuten, dass Migrant_innen, die ihren Beruf ohne eine Anerkennung nicht ausüben können, wie etwa Ärzte, sich schnell um eine Anerkennung bemühen, während diejenigen ohne eine solche Einschränkung „erst dann aktiv werden, wenn Bewerbungen erfolglos bleiben,” so die Forscher.

Wer in einem Betrieb angelernt wurde, lässt sich Qualifikationen seltener anerkennen, als Zuwanderer_ innen, die eine berufsbildende Schule besucht haben. Hier glauben die Autor_innen, dass Absolventen berufsbildender Schulen eher über Zertifikate verfügen und für sie deshalb der Nachweis leichter ist als nach einer betrieblichen Ausbildung.

Positive Befunde gibt es zur Unterstützung: Etwa zwei Drittel aller, die bei der Anerkennung Hilfe brauchten, hätten sie auch bekommen. 16 % hätten Hilfe benötigt, haben aber keine erhalten. Zwischen den Geschlechtern, so stellte sich heraus, zeige sich bei den Anerkennungen nur sehr geringer Unterschied. Rund die Hälfte derjenigen, die bisher einen Antrag auf Anerkennung gestellt haben, hat bereits eine Rückmeldung zum Antrag erhalten, die in fast allen Fällen (rund 94 %) mindestens eine teilweise Anerkennung beinhaltete. Eine vollständige Anerkennung haben 73 %, eine teilweise Anerkennung 24 % erhalten.

Die Studie stützt sich auf eine repräsentative Längsschnittbefragung von 4.816 erwachsenen Geflüchteten. Neben dem Bildungsstand zum Zeitpunkt der Einreise nach Deutschland waren unter anderem auch Bildungsaspirationen, Sprachkenntnisse sowie die Teilnahme an Integrationskursen Thema der Untersuchung.

Herbert Brücker, Nina Rother und Jürgen Schupp: „IABBAMF- SOEP-Befragung von Geflüchteten 2016: Studiendesign, Feldergebnisse sowie Analysen zu schulischer wie beruflicher Qualifikation, Sprachkenntnissen sowie kognitiven Potenzialen.” Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung 2017:

http://dpaq.de/BZ8hW

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Oktober 2017" entnommen.